TEST: M1 Sporttechnik – „Spitzing Plus R-Pedelec”

Bericht erschien exklusiv in der Gravity Mountainbike Magazine Ausgabe #036 [März & April 2017]

Was für ein futuristisches Design! Das könnte glatt der Prototyp eines Supersportswagens für 2025 sein. Der gigantische Batterie- und Motorblock dämpfen jedoch diese Optik. Der High-Tech-Rahmen des „Spitzing“ ist komplett aus Carbon gefertigt, dennoch liegt das Gesamtgewicht wegen der schweren Maschine mit 27 Kilo deutlich über dem der gängigen E-Mountainbikes am Markt. Die Züge verlaufen sauber durch den Rahmen und auch der Dämpfer ist gut im Rahmen versteckt. Um ihn zu blockieren, tippt man einfach auf die Fernbedienung am Lenker. Für die Sag-Einstellung hat M1 eine kleine Öffnung im Rahmen gelassen, um das Dämpferventil zu erreichen. Wirklich gut erreichbar ist es trotzdem nicht, besser wäre eine Ventilverlängerung. Gegen Aufpreis gibt’s ein Bordcomputer-Upgrade, um neben Navi, SMS und Telefon auch seine Leistungsdaten auswerten zu lassen.

// Nettes Detail um den Dämpfer zu erreichen – dennoch etwas fummelig

Unser Testrad wurde sinnvollerweise mit einer KindShock Vario-Sattelstütze nachgerüstet. Dieses Upgrade ist in jedem Fall zu empfehlen, wenn auch der Hinterbau unerwartet viel Luft für die Versenkung einer herkömmlichen Sattelstütze bietet. Bei der Schaltung kommt Shimanos bewährte 10-fach „XT“ zum Einsatz. Dank Sensorik wird der Unterstützungs-Antrieb bei jedem Schaltvorgang unterbrochen – das sorgt für eine höhere Lebensdauer. Auch die kräftige Bremsanlage aus Maguras „MT5“ vorne und „MT4“ hinten ist komplett verkabelt. Schön wäre es, wenn ein solches Geschoss auch am Hinterrad eine große 203er Scheibe verbaut hätte – allein schon wegen des Gewichts. Das Fahrwerk von Manitou lässt sich ruhigstellen, der Dämpfer eben bequem vom Lenker aus. M1 Sporttechnik hat das 120 Millimeter Fahrwerk mit kräftigen Plus-Reifen von Schwalbe unterstützt. Die „Nobby Nic“s sorgen für einen guten Grip auf losem Boden und Schnee. Wird es steinig, nass oder verwurzelt, kommt die harte „PaceStar“-Mischung schnell an ihre Grenzen. Ein etwas kürzerer Vorbau und ein breiterer Lenker würde dem Fahrer mehr Kontrolle über den Boliden geben.

// Die Bremse sitzt sicher im Hinterbau

Bis auf das Modell „Worldcup“ kommen alle anderen „Spitzing Plus“-Versionen in der gleichen Ausstattung. Das „S-Pedelec“ läuft 45 km/h und kommt wegen der Zulassung für den Straßenverkehr zusätzlich mit Spiegel, Licht und Reflektoren. Das „R-Pedelec“ ist „offen“ und ausschließlich für Privatgelände und Wettkämpfe, also kein Seitenspiegel und so. Damit unterscheidet es sich optisch nicht von dem normalen „Spitzing Plus Pedelec“, das „nur“ bis 25 km/h unterstützt.
Unser Race-Pedelec hat ein maximales Drehmoment von 120 Newtonmeter – was für eine brachiale Power! Die Motorleistung ist mit 850 Watt, die Höchstgeschwindigkeit mit 75 km/h angegeben – das klingt nach Spaß. Fünf Modi bietet die Unterstützung. Auf der höchsten Stufe wird mit 550 Prozent der eigenen Tretkraft unterstützt – das Rad schiebt unglaublich voran! Kleiner Wermutstropfen: Extrem steile Anstiege werden durch das riesige Kettenblatt mit 48 Zähnen etwas knackig. Doch ohne die große Übersetzung lässt sich das „R-Pedelec“ eben nicht ausfahren. Vielleicht sollte man hier zu einer anderen Kassette greifen.

// Das Tretlager mit Motorpack sitzt gefährlich tief

Fahrerisch lässt sich das „Spitzing Plus“ gut in die Trail- und AllMountain-Schiene einordnen. Auf Forstwegen ist das Bike eine absolute Wucht und M1 hat bewiesen, was aktuell schon möglich ist. Doch bei steileren Wegen im Gelände schieben die 27 Kilo Kampfgewicht gnadenlos in Richtung Tal. Etwas behäbig ist das sportliche Gefährt, aber Trails sind nicht das einzige Einsatzgebiet dieses Bikes. Dank des 880 Wattstunden starken Akkus lassen sich im sparsamen Modus auch ausgedehnte Touren unternehmen.

// Der Bordcomputer

Fazit: M1 Sporttechnik zeigt der Konkurrenz wo es lang geht. Das „Spitzing R-Pedelec“ ist das schnellste E-unterstützte Rad am Markt. Das Bike bringt viel Freude, so lange es nicht zu technisch bergab geht.

Pro:

  • Leistung
  • Spaßgarant
  • breites Einsatzgebiet
  • schnellstes Pedelec am Markt

Contra:

  • Kettenblattgröße
  • Gummimischung der Reifen

Unverbindliche Preisempfehlung: 8.899,- € (Komplettrad) | Größen: M, L | Gewicht: 27,00 kg | www.m1-sporttechnik.de

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Video & Fotos: Bluegrass – „Brave d3O“ 2018 Fullface Helm – Produktvorstellung

Der Bluegrass „Brave“ ist der erste Fullface Helm mit d3O Einsätzen. Das Material kennt man ansonsten in erster Linie aus Knie- oder Rückenprotektoren.

Sturzenergie wird durch die Eigenschaften von d3O gemindert. Auch können die Einsätze schützen, wenn man mehrmals mit dem Kopf aufschlägt und die Helmschale bereits beschädigt ist und so kaum noch Aufprallenergie abfangen kann.

Die orangenen d3o Einsätze sind in der Helmschale platziert.

Damit das Visier bei moderater Krafteinwirkung nicht bricht, ist es aus einem flexiblen Material, dass nach Krafteinwirkung wieder in seine Ursprungsform zurückkehrt.

Das Visier ist extrem flexibel und kehrt in die Ursprungsform zurück.

Durch die Form am Hinterkopf ist der „Brave“ kompatibel mit Neckbraces und kann durch das „Eject System“ optional erweitert werden. Dieses System ist besonders in den USA verbreitet und ermöglicht den Kopf eines gestürzten Fahrers mit einer speziellen Pumpe behutsam aus dem Helm zu befreien.

Der Bluegrass „Brave“ ist kompatibel mit Neckbraces

Das Sichtfeld ist schön groß gehalten, was für einen guten Überblick auf den Trails sorgt. Mit einem Gewicht von knapp unter 1000g ist der Bluegrass „Brave“ Helm nicht schwer und sorgt mit genügend Belüftungslöchern für genügend Frische während der Action. Die Innenpolster sind selbstverständlich herausnehm- und waschbar.

Das große Sichtfeld des Bluegrass Helmes.
Die waschbaren Innenpolster

Wer seine Action mit einer Cam einfangen möchte, kann den mitgelieferten Mount easy an einer Seite des Visiers befestigen, ohne den Helm dauerhaft mit einem Klebemount zu verunstalten.

Der mitgelieferte GoPro Mount.

Der Helm wird mit einer leichten Helmtasche geliefert. Die Tasche ist auf einer Seite gelöchert, damit der verschwitzte Helm auch verpackt trocknen kann.

Die leichte Helmtasche ist im Lieferumfang inklusive.

Preis: 249,90€ | Gewicht: unter 1000 g | www.hartje.de

Video: Die Wahrheit über die „neuen“ Laufradgrößen – Ex-Ingenieur packt aus!

Warum musste unser geliebtes 26 Zoll vor einigen Jahren den „neuen“ Laufradgrößen weichen? Unsere Kollegen vom MTB MAG haben einen Ex-Ingenieur die ganze Wahrheit vor laufender Kamera ausplaudern lassen. #twentysixforever

 

 

 

 

 

 

ACHTUNG: Satire 😉

Video & Fotos: Leatt – „DBX 6.0 Carbon V23“ 2018 Fullface Helm – Produktvorstellung

Einst startete Leatt mit Neckbraces, mittlerweile sind Protektoren, Helme, Bekleidung und sogar Rucksäcke dazu gekommen. Wir haben uns für euch den 2018er Fullface Helm „DBX 6.0 Carbon V23“ genauer angeschaut.

Damit der Carbon Helm auf Reisen nicht verkratzt, ist eine praktische Helmtasche im Lieferumfang inklusive. In dieser finden sich Vent-Blocks“, die an kalten Tagen in die Belüftungslöcher eingesetzt werden können. So kommt noch Luft in den Helm, aber man wird etwas vor kalter Winterluft geschützt. Auch liegen Ersatzschrauben für das Visier bei. Denn damit das Visier nicht als Hebel beim Bodenkontakt auf das Genick wirkt, wurden die Schrauben mit Sollbruchstellen versehen. So kann das Visier ohne großen Widerstand an den Schrauben brechen. Zudem wurde die Helmschale um 10 Prozent verkleinert. Laut Leatt werden so Rotationskräfte, die bei einem Sturz auf Genick und Kopf wirken, bis zu 20 Prozent reduziert.

Die Helmtasche ist inklusive.
„Vent-Blocks“ für kalte Tage und Ersatzschrauben für das Visier liegen dem Helm bei.

Ebenfalls soll die „360 Turbine Technology“ – ähnlich wie MIPS – das Risiko auf Gehirnerschütterungen reduzieren.

Die „360 Turbine Technology“ soll das Risiko auf Gehirnerschütterungen reduzieren.

Der knapp 1000 Gramm leichte Helm ist durch seine spezielle Form am Hinterkopf bestens mit Neckbraces kompatibel.
Besonders praktisch ist zudem der „Fidlock“-Magnetverschluss, der sich auch mit Handschuhen leicht öffnen und schließen lässt.
Im Falle eines heftigen Sturzes können die Backenpolster einfach durch Rettungskräfte herausgenommen werden, um den Helm einfacher abnehmen zu können.

Der praktische „Fidlock“-Verschluss
Die Wangenpolster sind leicht herausnehmbar.

Selbstverständlich sind alle Polster herausnehmbar und waschbar. Die großen Belüftungslöcher sorgen auch bei mittleren Geschwindigkeiten für einen kühlen Kopf.

11 Belüftungslöcher sorgen für einen kühlen Kopf.

Da Leatt auch Trinkrucksäcke im Angebot hat, hat man sich für den Fullface Helm ein cooles Detail einfallen lassen. Mit dem optional erhältlichen „Hydration Handsfree Kit“ kann man eine Art Verlängerung für den Trinkschlauch nachrüsten, der seitlich am Kinnschutz eingeführt wird. So kann man während dem Biken aus der Trinkblase, Flüssigkeit zu sich nehmen, ohne eine Hand vom Lenker zu nehmen.

Hier lässt sich das optionale „Hydration Handsfree Kit“ anschließen.

Preis: 499€ | Gewicht: 950 g | www.leatt.com

TEST: Votec – „VE EVO”

Bericht erschien exklusiv in der Gravity Mountainbike Magazine Ausgabe #035 [November & Dezember 2016]

Mit dem „VE“ hat Votec ein Enduro am Start, was sich so gleich in der Enduro World Series wohlfühlt. Mit wahlweise 160 oder 170 Millimeter Federweg im Horst-Link Hinterbau und 180 Millimeter Federweg an der Front ist das Bike für alles gewappnet. Dazu lässt sich die Geometrie absenken – ebenfalls über den Flip-Chip. So liegen der Lenkwinkel bei 64,7 oder 64,3 Grad und der Sitzwinkel auf 74,1, beziehungsweise 73,7 Grad. Insgesamt ist die Geometrie abfahrtsorientiert, doch es wurde auch die Bergauffahrt berücksichtigt. Die Züge verlaufen sauber durch den Rahmen, selbst die Fernbedienung für den Dämpfer hat eine extra Verlegung bekommen. Von Ausstattung, Geometrie und Fahrwerk lässt sich das Bike sicher auch mal gut im Bikepark ausführen, wir waren gespannt.

Guter Service: Votec liefert die Bikes mit Tubeless-Ready Reifen und Felgen aus und legen dem Kunden sogar noch die Tubelessmilch und Ventile bei. Als renntaugliches Bike setzt Votec auf unterschiedliche Vorderrad- und Hinterrad-Bereifung. Vorne die griffige „Magic Mary“ und hinten Schwalbes „Hans Dampf“ mit geringem Rollwiderstand. Die höchste Ausstattung „EVO“ kommt entsprechend mit feinsten Anbauteilen. Fox-Fahrwerk und sogar einer Fernbedienung für den „Float X3P“-Dämpfer. Nicht nur am Lenker kommt Carbon von Race Face zum Einsatz, auch die Kurbel stammt aus der edlen und leichten „SIXC“-Reihe. Bei den Bremsen lässt sich Votec nicht lumpen und setzt auf zuverlässige Anker: Magura „MT7“ mit 203er und 180er Scheibe. Dass das „VE“ für die gröbere Gangart bestimmt ist, zeigt die verbaute Kettenführung mit Bashguard. Clever: Je nach Rahmengröße wächst auch die verbaute Vorbaulänge. Käuferfreundlich gibt’s das Bike von XS-XL bereits ab 2.599 Euro in der „PRO“ Variante. Übrigens bekommt jeder Käufer einen Drehmoment Schlüssel und eine digitale Dämpferpumpe mit dabei.

Auf dem Trail macht das „VE“ eine gute Figur, seine Trümpfe spielt das Bike aber erst aus, wenn es richtig ruppig wird. Steinfelder, Wurzelteppiche und Drops steckt das Votec mit Leichtigkeit weg. Hier spielt der für den Enduro-Sektor recht hohe Federweg von 180 und 170 Millimetern eine entscheidende Rolle. Der viele Federweg bringt auch bei Tempo noch Ruhe ins Bike, wenn auch der Radstand nicht der längste ist. Dennoch beschleunigt das Bike gut und selbst der fiese Gegenanstieg wird dank technischer Spielereien zum Klacks. Sattel hoch, Dämpfer blockiert – alles per Fernbedienung vom Cockpit. So geht die Fahrt ungebremst weiter.

In Kurven macht das Votec eine gute Figur und zeigt sich angenehm wendig. Auf heimischen Trailtouren oft unterfordert, fühlt sich das „EVO“ eher auf Enduro World Series Terrain wohl. Auch die einen oder anderen Ausfahrten in den Bikepark sind mit dem Votec überhaupt kein Problem. Das „VE EVO“-Testbike kostet 3.799 Euro und ist auch in Topausstattung noch preislich attraktiv. Darunter liegt das „VE Elite“ für 3.099,- Euro und das Einsteigermodell „VE Pro“ kostet 2.599,- Euro.

Fazit: Das Votec „VE EVO“ lässt sich ebenso aus dem Karton bei den EWS fahren, als auch im Bikepark, oder Spaßgarant auf dem Hometrail. Eine gute Mischung aus reichlich Federweg, guten Komponenten und einer ausgewogenen Geometrie. Uns hat der Alleskönner für 3.799,- Euro durch die Bank überzeugt.

Pro:

  • Preis
  • schluckfreudig
  • Fahrwerk
  • Geometrie

Contra:

  • Nichts

Unverbindliche Preisempfehlung: 3.799,- € (Komplettrad) | Größen: XS, S, M, L, XL | Gewicht: 13,6 kg | www.votec.de

TEST: Pole Bicycles – „Evolink 150 27,5 HD”

Der Blick auf das Bike verrät sofort den endlos langen Radstand – Das ist typisch bei den Bikes von Pole. Doch dazu sei erwähnt: Wir hatten das mega-lange Testrad auch noch in „XL“ bekommen – wirklich nur etwas für sehr große Leute. Auf der anderen Seite vielleicht auch endlich mal ein Bike, dass den Ansprüchen großer Fahrer wirklich gerecht wird. Viele Firmen bieten nur Bikes bis Größe „L“ an und dort entspricht der Downhiller mit Gr. „L“, einem Pole Enduro in Größe „M“. Dazu gibt es von Pole noch eine „LD“-Version des Bikes mit leichterem Rahmen und Aufbau für kleinere und leichtere Leute bis maximal 85 Kilo. Erhältlich ist das „LD“ von „XS“ bis „M“ – so bekommt jeder ein passendes Bike. Die Züge verlaufen durch den Rahmen und das Unterrohr ist sogar mit zwei Aufnahmen für Flaschenhalter ausgestattet. Das sind aber längst nicht alle Besonderheiten an den Pole-Bikes. Alle Fully-Rahmen lassen sich zusammenklappen, wie am Ende dieses Videos (http://tinyurl.com/zrgg37k) vom Chef persönlich gezeigt wird. Lediglich das Vorderrad ausbauen und eine Schraube lösen, schon lässt sich der Hinterbau umklappen. Dadurch lässt sich das riesige Gefährt im Handumdrehen im Kleinwagen verstauen. Auch am Flughafen könnte so das Sportgepäck umgangen werden. Eine sehr gelungene Idee, die wir sonst im Gravity-Bereich noch nicht gesehen haben. Die Geometrie und Fahreigenschaften der Bikes werden davon natürlich nicht beeinflusst.

Die Ausstattung am 2017er Modell ist weiterhin sehr hochwertig. Als Federgabel arbeitet jetzt die „Lyrik RCT“ mit 160 Millimeter Federweg in der langen Front. Die Reifenwahl fiel bei Pole auf Maxxis „High Roller 2 Maxx Terra 3C“ – eine gute Wahl. Den Velo-Sattel hat Sohnemann Ukko Kokkonen im Alter von zwei Jahren designt. Passend zum Rahmen sind auch die Anbauteile in schlichtem Schwarz gehalten. Die bekannte 11-Fach Schaltung von Sram funktioniert prima und um auf das Gewicht zu achten, wurde noch ein Carbonlenker von Race Face verpasst. Apropos Gewicht, die Uhr bleibt bei unserem Testrad erst bei 14,65 Kilo stehen. Klingt in 2017 nach schwer, aber in Anbetracht von Alurahmen, kein Carbon, Größe XL und für Hardcore-Einsätze konzipiert, geht das schon in Ordnung.

Das „Evolink 150“ vermittelt sehr viel Sicherheit. Es fühlt sich an wie ein mehr als ausgewachsener Downhiller mit dem Augenmerk auf Vollgas, dabei hat das Bike gerade einmal 150 Millimeter Federweg. Fluch oder Segen: Das Bike verleitet sehr stark zum Heizen. Doch spätestens, wenn man mit Mach 2 ins Steinfeld knallt oder nach dem zwei Meter Drop auf Wurzeln und Steinen landet, merkt man, dass man doch nicht auf einem Downhiller sitzt. Das liegt aber einzig und allein daran, dass das Bike 150, statt 200 Millimeter Federweg hat, der Hinterbau leistet tolle Arbeit und ist extra für Luftdämpfung ausgelegt. Der extrem lange Radstand und ein Lenkwinkel wie am Downhiller bringen zusätzlich Ruhe und Gelassenheit bei Highspeed. Auch beim Uphill macht das „Evolink“ eine gute Figur, der Hinterbau bleibt ruhig und spätestens wenn das Hebelchen am „Monarch“ auf „firm“ steht, geht es antriebsneutral den Berg hinauf. Die langen Kettenstreben verlangen viel Nachdruck, um das Bike aufs Hinterrad zu ziehen. Auf langsamen Trails in engen Kurven fordert das sehr lange Bike vollen Einsatz, hier zeigt sich sofort, wer dem Rad gewachsen ist oder in der nächsten Kehre stecken bleibt. Wer unsicher ist und noch an seiner Kurventechnik feilt, sollte besser vorerst zu einem anderen Bike greifen. Wer gar nicht genug von hohem Tempo haben kann, Rennen fährt, oder die nötige Kurventechnik beherrscht wird mit dem Bike sehr viel Freude haben.

 

Fazit: Uns gefiel die Geometrie mit dem riesen Radstand sehr gut. Wir konnten die Vorteile ausschöpfen und die Nachteile ausmerzen, denn in Kurven braucht es etwas mehr Einsatz, als die üblichen Bikes am Markt. Das Bike ist speziell, lädt zu Highspeed ein und macht dabei richtig viel Spaß.

Pro:

  • Laufruhig
  • Klappfunktion
  • Geometrie

Contra:

  • Wendigkeit
  • Gewicht

Unverbindliche Preisempfehlung: 5.300,- € (Komplettrad) | Größen: M, L, XL | Gewicht: 14,65 kg | www.polebicycles.com

TEST: Bergamont – „Encore Team”

Bericht erschien exklusiv in der Gravity Mountainbike Magazine Ausgabe #035 [November & Dezember 2016]

Das „Encore“ ist Bergamonts jüngstes Enduro-Baby. Der Rahmen wird in Hybrid-Bauweise aus Aluminium und Carbon hergestellt. Der Hauptrahmen ist aus wärmebehandeltem, dreifach-konifierziertem Aluminium, Kettenstreben und Umlenkung sind aus Carbonfaser. Mit 165 Millimeter Federweg im Hinterbau schließt das „Encore“ die Lücke zwischen „Trailster“ und dem ganz großen „Straitline“-Downhill-Bike. Die Geometrie ist modern und ausbalanciert, auf Race getrimmt, aber dennoch fühlt sich auch der Hobbyfahrer auf Anhieb wohl. Für ein aufgeräumtes Erscheinungsbild, verlaufen die gesamten Züge durch den Rahmen – dank Führungen im Rahmen klappert nichts. Das Bike wird in flacher Position ausgeliefert, erlaubt aber via Flip-Chip eine Geometrieveränderung. Dabei hebt sich das Tretlager auf -4,8 Millimeter, der Lenkwinkel steigt auf 65,7 Grad und der Sitzwinkel auf 76,1 Grad. Das Rad kommt zwar mit einem 1×11-Aufbau, besitzt aber eine Montagemöglichkeit für einen Direct-Mount-Umwerfer.

Die Ausstattung an der Team-Version ist ready to race. Die Manitou „Mattoc Pro“ bietet eine Menge feiner Einstellmöglichkeiten. Mit Hauptluftkammer aus der „Dorado“ und der neuen „Infinite Rate Tune“ hat uns die Gabel im „Encore“ positiv überrascht. Die neue „IRT“-Kartusche erlaubt es den mittleren Federweg abzustimmen – unabhängig von der Endprogression. So lässt sich der Federweg sehr gut nutzen, bei gleichzeitig gutem Ansprechverhalten. Am Hinterbau arbeitet der bekannte Rock Shox „Monarch Plus RC3“ – bergab super, bergauf leider nicht ruhig zu bekommen. Bergamont verbaut am „Encore“ den griffigen Alleskönner „High Roller 2“ von Maxxis. Unser Testbike in der höchsten Ausstattungsvariante, bringt ohne Pedale angenehm leichte 13,55 Kilo auf die Waage.

Das Bike bietet eine gute Traktion im Uphill, doch bei längeren Anstiegen stört der wippende Hinterbau, der selbst nach Ruhigstellung des Dämpfers munter weiter wippt. Bei der Abfahrt funktioniert alles so, wie es soll: Das Fahrwerk verrichtet souverän seinen Dienst und die Geometrie lässt den Piloten auch in steilen, ruppigen Passagen nicht im Stich. Das „Encore“ liegt satt und flach auf dem Trail, liebt hohe Geschwindigkeit und bügelt ohne Probleme überall runter. Enge Turns und Manual-Einlagen sind kein Problem. Ebenfalls macht das Superenduro im Bikepark eine gute Figur. Natürlich ist ein Enduro im Bikepark immer ein Kompromiss, doch für Leute, die sich dafür kein zweites Bike zulegen möchten, ist der Alleskönner genau richtig. Ebenso kann man mit dem „Encore Team“ out of the Box bei einem Enduro World Series Rennen an den Start gehen. Neben der Team-Version ist das „Encore“ noch in zwei günstigeren Varianten erhältlich, das 9.0er kostet 3.799,- Euro, das 8.0er gibt’s schon für 3.199,- Euro.

// Die Manitou „Mattoc Pro“ bietet gute Einstellmöglichkeiten
// Der abgestützte Eingelenker-Hinterbau funktioniert prima
// Grad Lenkwinkelveränderung via Flip-Chip

Fazit: Das Bergamont „Encore Team“ ist eine Rennmaschine mit hohem Spaßfaktor. Bergab lädt es zu Vollgas ein und überzeugt mit einer gelungenen Geometrie. Lediglich bergauf störte uns etwas das ständige Wippen, wo auch die Ruhigstellung des Dämpfers keine große Abhilfe schaffte.

Pro:

  • Laufruhig
  • Spaßgarantie
  • Geometrie

Contra:

  • wippt bergauf

Unverbindliche Preisempfehlung: 4.499,- € (Komplettrad) | Größen: S, M, L, XL | Gewicht: 13,55 kg | www.bergamont.com

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